60 Jahre
DRK
Gussenstadt

 

Geschichte
Im Jahre 1863 wurde in Genf von einem Fünfer-Komitee Schweizer Bürger, unter ihnen Henry Dunant, zusammen mit Vertretern von 16 Staaten das Rote Kreuz ins Leben gerufen. Im selben Jahr wurde in Stuttgart die erste Rotkreuzgemeinschaft in Deutschland gegründet. Ab 1884 bis 1866 kamen weitere acht deutsche Landesorganisationen hinzu. Die Reichskriegssanitätsordnung von 1878 gibt der Arbeit des Württembergischen Sanitätsvereins neue Impulse. Man beschließt, ein über das ganze Land verbreitetes, einheitliches ausgebildetes und ausgerüstetes freiwilliges Sanitätskorps aufzustellen. In Stuttgart wird 1882 die erste Sanitätskolonne gegründet. Im Jahre 1896 ändert der Sanitätsverein seinen Namen. Er nennt sich jetzt "Württembergischer Landesverein vom Roten Kreuz".1882 entstand der Verband Deutscher Krankenpflege-Institute vom Roten Kreuz. 1902 gibt es im Königreich Württemberg 22 Sanitätskolonnen mit rund 1100 Mitgliedern. Im ersten Weltkrieg unterhält dieser Verein 125 Lazarette und 50 Genesungsheime. Im Jahre 1921 kam es in Berlin dann zu einer Zusammenfassung der Rotkreuz-Landesvereine und Landfrauenvereine zum Deutschen Roten Kreuz e. V. und der Gründung des JRK. Am 29. November 1933 wird dem Deutsche Rote Kreuz eine neue Satzung auferlegt. Seine demokratische Verfassung wird abgeschafft, das Führerprinzip wird eingeführt. Zwangsweise wird das JRK aufgelöst, das Rote Kreuz wird beschränkt auf die Mitwirkung im amtlichen Sanitätsdienst. Die Landesvereine wurden der jeweiligen Wehrbereichs-Verwaltung unterstellt. Nach dem 4. Mai 1945 wurde das Rote Kreuz in dem französischen Sektor verboten, im amerikanischen Sektor konnte die Rotkreuzarbeit jedoch weitergeführt werden. In den besetzten Zonen bilden sich drei Landesverbände vom Roten Kreuz: Südbaden, Württemberg-Hohenzollern und der Landesverband Württemberg-Baden. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23.Mai 1945 folgte am 4.Feb. 1950 der Zusammenschluß der 15 Landesverbände vom Roten Kreuz zum Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Gründung
Am 20.Feb 1995 jährte sich zum 60. mal die Gründung der DRK-Ortsgruppe in Gussenstadt. Laut den Personalbögen waren folgende Personen Gründungsmitglieder:
 
Jonathan Jäger (Maurer) Säulstr. 27 Mitglieds-Nr. 38
Georg Gunsenhauser (Maurer) Bühlstr. 168 Mitglieds-Nr. 39
Michael Hofelich (Landwirt) Hauptstr. 111 Mitglieds-Nr. 40
Eugen Jäger (Landwirt) Bühlstr. 181 Mitglieds-Nr. 41
Johannes Jäger (Bahnarbeiter) Neue Gasse97 Mitglieds-Nr. 42
Georg Joos (Landwirt) Neue Gasse 98 Mitglieds-Nr. 43
Ludwig Muttscheller (Zimmermann) Bühlstr. 176 Mitglieds-Nr. 44
       
Personalbogen von Herrn Muttscheller .


Wie aus dem Protokollbuch (Seite 17) der Freiwilligen Sanitätskolonne Nr 9 Heidenheim Ortsgruppe Gerstetten zu entnehmen ist lautet der Gründungstext:

Originaltext:
20.Februar1935
Kreiskolonnenführer Spoth, Kolonnenführer Hiller, Halbzugführer Metzger und Gruppenführer Grüniger waren heute in Gussenstadt, um junge Männer für das Rote Kreuz zu werben. Sie brachten auch eine Gruppe zusammen. Wir hoffen und wünschen , daß es Ihnen in unseren Reihen gefällt. Es ist auch recht gut, wenn Männer im Ort sind die Erste Hilfe leisten können.
 

Vor dem Krieg

Während der ersten Jahre, bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde an den Diensten und Ausbildungsabenden in Gerstetten teilgenommen. Auch die Führung der Gruppe erfolgte weitestgehend von Gerstetten aus. In den Wintermonaten fand immer die theoretische Ausbildung überwiegend durch Halbzugarzt Dr. Balz und Halbzugführer Mezger statt, im Sommer dagegen wurde hauptsächlich im Freien geübt. Die erste Rot-Kreuz-Übung in Gussenstadt wurde am 8. Sept. 1935 am Ortsausgang nach Gerstetten abgehalten.
1936 hatte der Halbzug Gerstetten mit Heldenfingen und Gussenstadt insgesamt 36 Aktive Mitglieder. Die Kameradschaft und Geselligkeit hatte durchaus einen hohen Stellenwert in der Gruppe. So wurde am 2. Juni 1935 eine gemeinsame Wanderung mit den Gerstetter und Söhnstetter Rotkreuzlern nach Dettingen durchgeführt. Dies zeigte sich auch darin, daß Dr. Balz der seit 1931 Halbzugarzt war, mit anderen zusammen bei Feiern des Roten Kreuzes ein Musikstück mit der Violine spielte. Bei den Feiern wurde sehr viel gesungen, selbst Theaterstücke wurden aufgeführt.
In dieser Zeit wird auch der Einfluß des dritten Reiches auf das Rote Kreuz sehr stark spürbar, Adolf Hitler war der Schirmherr des Roten Kreuzes und bei Propagandamärschen, Feiern und Reden des Führers nahm die Gruppe überwiegend geschlossen teil. Auch wurden die Kameraden in den Schulungsabenden aufgefordert Schulungsabende der NSDAP zu besuchen, den Schulungsbrief zu lesen und in die Partei einzutreten.
Am 12.Juli 1936 fand dann unter Leitung von Generalleutnant a.D. v. Greiff eine große Übung in der Gegend von Nattheim statt, bei der Gruppen aus den Kreisen Heidenheim, Gmünd, Welzheim, Aalen, Schorndorf und Neresheim teilnahmen. Der Halbzug Gerstetten wurde zusammen mit den Kameraden von Heidenheim auf dem Truppenverbandsplatz beim Kalkwerk Beck eingesetzt. 1938 konnten während des ganzen Sommers keine Geländeübungen durchgeführt werden, da die Maul und Klauenseuche in allen Orten ausgebrochen war.
Da bereits 1936 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, welche 2 Jahre dauerte wurde die neu gegründete Rot Kreuz Gruppe wieder auseinandergerissen. Als ersten traf es den Jahrgang 1914. Nach der Beendigung des Wehrdienstes, wurden dann bereits 1939 die ersten zur Wehrmacht eingezogen.
Im Zuge der Umorganisation des DRK wurde am 4. Januar 1939 die Bereitschaft III, bestehend aus Gerstetten, Heldenfingen, Heuchlingen, Dettingen, Steinheim, Söhnstetten und Gussenstadt gegründet unter Leitung von Oberwachtführer Mezger.

Spätestens ab 1940 traten dann die ersten Frauen in das Gussenstadter Rotkreuz ein. Genaueres ist darüber leider nicht bekannt, klar ist nur, daß Marie Barchet (geb. Thierer) welche die Frauengruppe später auch leitete, eine der ersten war. 1943 wuchs die Gruppe dann auf über 13 weibliche Mitglieder an.
Bild der Frauengruppe
Frieda Häcker (geb. Barchet), Marie Barchet (geb. Thierer), Katharine Läßle (geb. Banzhaf),Lina Gröner,Anna Dzimbowski (geb. Bantleon), Marie Kohn (geb. Fink), Anna Kleinschmidt (geb. Kustermann), Marianne Gress (geb. Bosch), Else Kohn (geb. Fink), Annnemarie Gunsilius (geb. Salzmann), Käthe Kolb (geb. Läßle), Luise Nusser (geb. Mutschler), Marie Reyher (geb. Häcker) v.l.n.r.
Am 13.3.1942 wurde als einzige Frau unserer Gruppe Anna Läßle (verh. Bückle) zum Sanitätsdienst in der Wehrmacht einberufen. Nach der Ausbildung in Stuttgart und in Karlsruhe wurde sie dann ab Februar 1943 im Reserve Lazarett in Lublin (Polen) eingesetzt. Nach dem Rückzug der Wehrmacht aus dem Osten wurde sie nach Ulm versetzt bis das Lazarett bei dem Bombenangriff auf Ulm teilweise zerstört wurde. Vom März 1945 bis nach dem Kriegsende war sie dann im Lazarett im Kloster in Ochsenhausen tätig.
 
 
Einberufungsbescheid
 
Bild aus Lublin
 
Während des Krieges wurde auch durch die im Ort verbliebenen Mitglieder der Frauengruppe in der Jakobshalle ein bunter Nachmittag für verwundete Soldaten aus den Ulmer Lazaretten gestaltet. In den letzten Kriegsjahren waren alle im Gussenstadter DRK tätigen Männer im Krieg. Daher wurde im Zusammenhang mit der Aktivierung des Volkssturmes versucht erneut Aktive in Gussenstadt zu finden. Es gelang auch die Gründungsmitglieder Johnathan Jäger, Ulrich Bosch (gegenüber der alten Molkerei), Michael Hofelich (Geburtshaus hinter der alten Molkerei) und Georg Prinzing zu reaktivieren. Am 26.11.1944 war dann der erste Übungsabend des Volkssturm-Batallions "Obere Alb" das den gleichen Bereich umfaßte wie die Bereitschaft III. Die Männer des DRK waren innerhalb des Volkssturm hauptsächlich mit der Aufstellung und Ausbildung neuer Hilfskräfte beschäftigt, jedoch gehörte auch das Schanzen (Bau von Verteidigungsstellungen) dazu. Nach Kriegsende wurde in Gerstetten noch eine Verpflegungsstelle eingerichtet, aber ansonsten schlief dann die Tätigkeit des Roten Kreuzes ziemlich ein bis 1946 das Rote Kreuz als Verein neu gegründet wurde.
 
Unseren Dank möchten wir allen sagen, welche uns bei den Recherchen mit Worten, Taten und Bildern weitergeholfen haben.